San Vincenzo. Der Andrang am königlichen Schloss ist ungebrochen, täglich besuchen viele Menschen den Mittelpunkt des Reiches. Doch das touristische Ziel war stets nicht nur ein Ort der Folklore, sondern die Machtzentrale einer stolzen Nation am Medianik. Als 2007 Re Francesco V. die Königswürde zuteil wurde, mimte er den absoluten Monarchen und führte das schwächelnde Land mit zupackenden Händen zurück an die Weltspitze. Nach und nach gab er in den Folgejahren die Macht und Verantwortung dem Volk zurück und war stets erster Befürworter für eine lebhafte Demokratie mit schlanken Führungsstrukturen. Doch dieses System scheint zu kränkeln. Die politisch erstarkten Räte können oder wollen das Land nicht aktiv gestalten, die Führungszirkel sind sehr verwoben und das Regierungsgeschehen nahezu unübersichtlich. Nicht einfacher wird es durch die Intesa, die als übergeordnete Instanz ganze Politikfelder bedient und mit eigenen Strukturen verkompliziert.
So ist es kaum verwunderlich, dass sich jüngst wieder Personen und Gruppierungen für einen Systemwechsel aussprechen. Allen voran ist es Hettore Appiani, der sich für Reformen stark macht und ein Umdenken einfordert. Er vermisst einen roten Faden in der novarischen Politik und sucht das Heil in einer straffen Führung. Aber auch des Königs treuester Kommunist, Giuseppe de Rossi, nimmt mittlerweile öffentlich das Wort “Republik” in den Mund und setzt sich an die Spitze der unzufriedenen Wirtschafts- und Bildungselite. Appiani und de Rossi hatten schon oft den richtigen Riecher und haben ein enormes Potential, wenn es um Mehrheiten für ihre Ansichten geht. Zwar können sie kaum zu zweit das Land umkrempeln, aber sie kennen die richtigen Leute und Mittel, um im Königreich etwas zu bewegen. Auch der Reichsverweser Pazzarati wird eine Rolle spielen, denn kaum ein anderer kennt sie Strukturen so gut, wie er. Mit Lascona hat er eine eigene Hausmacht und ist vor allem nicht auf die Führungszirkel der Hauptstadt angewiesen.
Der Re selbst begibt sich seit Wochen kaum noch in die Öffentlichkeit. Sein Privatleben wurde komplett abgeschirmt, die Regina wird schon spöttisch als Phantom betitelt. Bei den wenigen offiziellen Terminen sieht man einen recht müden König, Stellungnahmen zu den Vorgängen im Reich gibt es selten. Die größte Affäre des Jahres, der Flugzeugträgerskandal, wurde ausgesessen, die Organisation der letzten Wahlen war katastrophal. Von der einstigen Leidenschaft, mit der Gran Novara geführt wurde, ist nur noch wenig zu erkennen. Einzig, wenn es um die Intesa geht, erledigt das Königshaus neben der Pflicht auch die Kür. Ob das für die Bewältigung der Probleme des Jahres 2012 reichen wird, bleibt abzuwarten.